Ich bin kein Feigling – über das Lernen von Dingen

13. Jun. 2018 | Alle, Aus dem Leben | 0 Kommentare

Ich habe mit ungefähr fünf Jahren das Fahrradfahren gelernt. Meine kleine Freundin Anne hatte ein kleines Rad, eins, das genau auf unsere Größe passte. Ich weiss noch, dass ich irgendwann Anne fragte, ob ich mal dürfe. Sie sagte ja, ich stieg auf das Babybike und radelte los, ein paar Mal um den Block und zurück zu meiner Freundin. Alles ganz unspektakulär: einfach mal gemacht.

Wenn andere beschließen: du lernst das jetzt!

Kurze Zeit später hatte meine große Schwester Monika die große-Schwester-Idee, mir Fahrradfahren beizubringen. Dafür setzte sie mich auf ihr großes Rad, bei dem ich nur schwer an die Pedalen kam und schaute mich streng an. Eine ihrer Hände hielt den Lenker, die andere fasste den Sattel. Neben mir herlaufend, mich schiebend, das zu große Rad stützend, feuerte sie mich leicht ungeduldig an, indem sie mir befahl, den motivierenden Satz “Ich kann Fahrrad fahren, ich bin kein Feigling” gebetsmühlenartig zu wiederholen.

Wenn andere beschließen: du kannst das nicht!

Ich brachte das, was ich kurz vorher mit Annes Fahrrad gemacht hatte nicht zusammen mit dieser bierernsten, sackschweren Angelegenheit des “Fahrradfahrens”.

Dieses erzwungene “Lernen”, bei dem es mehr darum geht, dem Lehrer ein aufgeräumtes Erlebnis zu verschaffen, als dem Schüler etwas beizubringen, erinnert mich im Nachhinein an manche Mathe- oder Geschichtsstunde, aber auch an den Spanisch Unterricht, an dem ich mit über 30 teilnahm und der mich so wenig erreichte, dass das, was mich am meisten interessierte, die üppige Wimperntusche der Lehrerin war, nach der ich sie neugierig ausfragte.

Wenn andere dir die Hand reichen: wir probieren das!

Diese Konzentration auf das Problem, Lehrer, die sicher sind, dass die Schüler nicht aufholen können, dass der Stoff “bearbeitet” aber nicht wirklich erfahren oder mit Interesse durchdrungen werden wird, sind eine große Schwierigkeit für Schüler, für die Wirtschaft und für unser Weltbild. Wenn Lehrer zu vernagelt oder zu überlastet sind, um zu sehen, dass das Lernen immer auch eine anarchische Seite hat und “Lehrer” und “Schüler”  beide in einem Prozess stecken, der nicht 100% kontrolliert werden kann, brauchen wir sie eigentlich nicht.

Lernen ist ein Menschenrecht und Lehren ist eigentlich Liebe.

Dieser Blog Artikel ist eine Verneigung vor der Arbeit von Alexandra Aldinger und Michael Müller für Schüler und alle, die lernen wollen (zu erreichen über ihre Seite genialico.de )

 

 

 

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